Montag, 10. August 2015

Black Dog Story.

Lückenfüller.

Hast Du das letzte Kapitel gelesen? Allein - mit dem schwarzen Hund?

Ich hoffe, Du hast es inzwischen einigermaßen verdaut und ich brauche mir keine Sorgen um Dich zu machen. Es ist wohl ein schwacher Trost von mir, zu sagen "es ist okay". Aber ich möchte, dass Du genau das weißt und für Dich akzeptierst und auch zu Deiner Realität werden lässt: es ist okay! Ich kann mit all dem inzwischen gut umgehen und leben.
Ja, ich habe noch gelegentliche Suizidgedanken. Doch für mich sind es inzwischen alltägliche Gedanken, wie alle anderen Gedanken auch. Ich lasse sie zu mir kommen und schicke sie weiter.

Die Gedanken sind frei.

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Gewöhne Dich ruhig an solche Lückenfüller. Nach besonders mitnehmenden Kapiteln oder während großer Erinnerungslücken, sowie drastischen Themenwechseln werde ich fortan immer eine solche Basis der Sicherheit für Dich schaffen.

Trete ruhig mit mir in Dialog. Ich werde für Dich da sein.
Ich lasse Dich nicht mit meinem Leben allein, so wie ich damit allein gelassen worden bin!

oOoOoOo

Wie geht es jetzt weiter? Mit den sichtbar werdenden Bissen des schwarzen Hundes.
Ich muss damals 14 oder 15 gewesen sein, als es anfing. Das selbst verletzende Verhalten.

Samstag, 8. August 2015

Black Dog Story

Allein
Mit dem schwarzen Hund

Der Hund erwachte also zwischen meinem neunten und elften Lebensjahr, genau festlegen kann und möchte ich mich da nicht. Ganz sicher wach war er jedoch, als ich 11 war. Meine Urgroßmutter väterlicher und mein Großvater mütterlicher Seits waren verstorben. Ob ich damit gut umgegangen bin, ich weiss es nicht mehr. Meine Erinnerungen verschwimmen hier, ich kann kaum sagen, was aus jener Zeit real war und was nicht. Der schwarze Hund hatte meinen Körper übernommen. Und was mich nach außen hin kaputt gemacht hat, war eigentlich meine beste Verteidigung.

Nein, ich will nicht sagen, dass mein schwarzer Hund mein Verteidiger ist. Sicher nicht! Aber er bewahrt mich vor dem Tod. Klingt ebenfalls verkehrt? Nun, so ist mein Hund jedoch. Er quält mich, beißt mich, beutelt mich, aber niemals lässt er mich sterben, so sehr ich mir das von ihm auch wünsche.

Zu diesen für mich wirklich schmerzhaften Verlusten, der Verlust meiner bildlichen Erinnerungen an meinen Großvater brachte mich oft zu Boden und ließ mich unter Tränen zusammenbrechen, kam der allmähliche Knacks im Verhältnis zu meinen Eltern.

Meine Mutter war erkrankt. Fibromyalgie. Eine wirklich wirklich schreckliche Krankheit!
Und für meine Mutter hatte von nun an häufig sie selbst Vorrang. Sicher auch gedacht zu meinem Besten, das vermag ich nicht zu beurteilen. Für meinen Vater war diese Zeit jedenfalls ebenfalls nicht einfach. Seit ich denken kann, hatte er Suchtprobleme gehabt. Von seiner Spielsucht wusste ich nur aus Erzählungen. Seine Alkoholsucht war immer gegenwärtig gewesen für mich. Er war kein unangenehmer Trinker! Aber er war einer.

Jedenfalls beschlossen meine Eltern zu jener Zeit, ich sei alt und intelligent genug, mich selbst um meine banalen schulischen Probleme zu kümmern. Ich sei zu intelligent, mich von einem Mobber fertig machen zu lassen. Und und und...

Den Hund ignorierte jeder. Dass ich immer mehr spürte, wie sich irgendwas von meiner Kraft und Energie ernährte, wurde ignoriert. Und ich begann all meinen Schmerz auf meine Umwelt zu schieben. Vom Hund hatte ich keine Ahnung, also wuchs mein Hass auf meine Umwelt. Und mein Hass auf mich selbst!

Hierzu eine kleine Anekdote:

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Wie alt ich war, kann ich nicht einordnen. Es war zur Zeit der großen Ungewissheit, als die Krankheit meiner Mutter noch keinen Namen für uns hatte. Ich sah sie oft leiden, obwohl meine Eltern meine Mutter gut vor mir versteckten. Im Schlafzimmer meiner Eltern war es nun oft dunkel. 
Dies war einer jener düst'ren Tage. 
Ich hörte meine Eltern wieder über diese Krankheit reden, von der ich nichts verstand und, ich bin mir da ziemlich sicher, auch nichts verstehen sollte. Meine Mutter weinte häufig, es brach mir jedes Mal mein kleines Kinderherz. Dieses Mal nahm ich allen Mut zusammen und öffnete die eh nur angelehnte Tür zum Schlafzimmer meiner Eltern. Weinend stürzte ich hinein und warf mich auf das Fußende ihres Bettes. Schließlich begann ich schluchzend zu reden. Ich sagte, dass ich allen bloß zur Last falle. Ich sprach davon, dass die Welt ohne mich ein viel viel besserer Ort würde. Ich sprach von meinem Wunsch einfach ganz ganz bald zu sterben!
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Schlimm war, mir wurde in jener Hinsicht der Mund verboten. Sowas darfst Du nicht sagen! Solche Gedanken hat man nicht! Und wenn man diese Gedanken hat, dann spricht man sie gefälligst nicht aus! Solche Gedanken ignoriert man und lässt sie gar nicht erst reifen!

Nett gemeinte Tipps, bestimmt. Aber nicht gegenüber einem Kind, dass diese Gedanken ernsthaft hat und nicht im Geringsten damit umzugehen weiss und sich tatsächlich schämt, sich nicht einfach umbringen zu können, weil es doch Angst vorm Tod hat.
So schockierend das also klingt und so schockierend es für meine Umwelt war: ich begann die Leute in meiner Umgebung zu provozieren und aufzufordern, mir körperliche Gewalt anzutun. Sie sollten erledigen, was ich mich nicht traute und der schwarze Hund gar nicht wollte. Doch sie taten es nicht oder nur sehr sehr selten und das wiederum provozierte in mir und meinem schwarzen Hund nur noch mehr Wut und Hass auf unsere Umwelt, die uns, aus unserer Sicht, so gnadenlos ignorierte...

Ich bin zwar Leihe, doch wage ich zu behaupten, ich startete mit einer nicht diagnostizierten, nicht behandelten und nicht einmal vermuteten mittleren Depression in die Pubertät.

Freitag, 7. August 2015

Black Dog Story.

Der schwarze Hund erwacht.

Ich weiss nicht, warum; im Nachhinein erscheint es mir fast amüsant.

Bis zu meinem Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium hatte mein schwarzer Hund stets geschlafen. Ich war ein zwar ungewöhnlich nachdenkliches, aber dennoch recht fröhliches Kind. Glaube ich. Wie fröhlich ich tatsächlich war, weiss ich nicht. Ich glaube in Wirklichkeit nicht allzu fröhlich. Den Erzählungen nach jedoch: Ich war ein recht fröhliches Kind. Etwas weltfremd, ja, aber nie allzu auffällig. Doch mit unserer Ankunft am Gymnasium begann für den schwarzen Hund das große Fressen und für mich etwas, das sich zunächst wie der Anfang vom baldigen Ende anfühlte.

Woran er sich diesmal labte? Mobbing.

Keine Ahnung warum, aber ich war von Anfang an eines der beliebtesten Mobbingopfer der Klasse. Selbst andere Mobbingopfer fanden noch Gefallen daran, mich zu mobben. Ein Grund, neben den schon zu Grundschulzeiten vorhandenen Gründen, war mein zunehmendes Gewichtsproblem. Schon in der Grundschule war ich kräftig gebaut gewesen, nun fing ich jedoch an moppelig zu werden. Einer meiner Klassenkameraden perfektionierte das Gewichtsmobbing. Für diesen Jungen war es nie notwendig gewesen, mich beim Namen zu nennen. Ich war das "dicke Ding". Und ich wehrte mich nicht. Meine Mutter hatte gesagt, wenn ich mich nicht wehre, nehme ich ihm den Spaß daran. Auf alle anderen wirkte das wie eine kalte Gleichgültigkeit, vor der sie, wie mir später einige erklärten, Angst bekamen. Meine Lehrer halfen mir nicht. Viele wussten wohl nichts. Die, die es wussten, dachten eine Zwangsversöhnung zwischen jenem Jungen und mir wäre nicht nur möglich, sondern die Lösung schlecht hin.

Ich erlitt meinen ersten ausgewachsenen Nervenzusammenbruch. In der sechsten Klasse.


Der Hund erwachte.

Doch weder ich noch irgendwer sonst bemerkte ihn zu diesem Zeitpunkt. Und wer ihn zwar bemerkte, denn sicherlich gab es solche Personen, der erkannte ihn nicht.

Wer glaubt schon an ein Kind mit leichten bis mittleren Depressionen?!

Ich war intelligent, das war nie ein Geheimnis. Und in den Köpfen der Leute war ich zu intelligent für eine Depression. Daher die kurze Info: Niemand ist zu intelligent oder zu dumm oder zu irgendwas für eine Depression!! Man ist ja auch nicht zu intelligent für Krebs.

Ich selbst gab mich meinem schwarzen Hund zu jener Zeit, ohne es überhaupt zu merken, bedenkenlos hin. Denn er nahm mir den Schmerz wie kein anderer es tat!